Gesundheit

Wenig Corona-Tote in Deutschland: Wieso ist das so?

Das Coronavirus hält die Welt in seinem Klammergriff und jeden Tag werden Nachrichten von neuen Infizierten laut. Auch in Deutschland ist es nicht anders, denn schon Tausende von Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt. Doch vergleichen Sie einmal die Infektionszahlen mit den Toten in Deutschland, fällt Ihnen schnell etwas auf: die Zahl ist überraschend gering. Besonders, wenn Sie einmal einen Blick in Nachbarländer werfen, wo die Zahl der Toten deutlich höher ist. Was macht Deutschland also anders?

„Aktuell wissen wir noch zu wenig“, gibt Richard Pebody, Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu. Er sagt weiter: „Es ist rätselhaft, dass in Deutschland die Fallsterblichkeitsrate so gering ist.“ Dennoch warnt er davor, verschiedene Länder miteinander zu vergleichen. Immerhin ist kein Land wie das andere und es gibt immer andere Rahmenbedingungen. „Das wäre, als würden Sie Äpfel mit Bananen vergleichen.“ Dennoch gibt es einige Erklärungen, welche Licht ins Dunkle bringen könnten.

In erster Linie spielt der Epidemiezeitpunkt eine wichtige Rolle. Laut Pebody sein die anderen Länder, wie Spanien oder Italien, schon deutlich weiter in ihrer Epidemie fortgeschritten als Deutschland. Das heißt, die ersten Fälle wurden wahrscheinlich zu spät entdeckt, weshalb sich das Virus ungehindert ausbreiten konnte. Immerhin dauert es nach der Infektion einige Tage, bevor erste Symptome eintreten. Aber auch das Alter spiele eine große Rolle. In vielen Ländern wird nur sehr wenig getestet, weshalb kein genaues Durchschnittsalter der Infizierten festgelegt werden kann. Es wird aber davon ausgegangen, dass auch viele junge Menschen bereits infiziert sind, jedoch verläuft die Krankheit nur mit milden oder keinen Symptomen. So zeigen die Statistiken, dass das Durchschnittsalter der Italien-Infizierten bei etwa 63 Jahren liegt, in Deutschland bei 45 Jahren. Somit liegt die Republik im Alters-Ranking deutlich hinter anderen Ländern, was darauf hinweist, dass eher junge Menschen das Virus bekommen, die aber auch leichter behandelt werden können.

Die letzten zwei großen Punkte sind die Tests sowie die Qualität des Gesundheitssystems. In Deutschland steht eine sehr aggressive Teststrategie im Fokus, wie Michael Ryan, Nothilfe-Koordinator der WHO, weitergibt. In anderen Ländern finden die Tests meist viel zu spät statt, oftmals sogar erst nach dem Tod. Abschließend punktet Deutschland deutlich durch seine Krankenhäuser. Das Gesundheitssystem ist auf die Einwohner Deutschland zugeschnitten. Immerhin hatte Deutschland auch länger Zeit sich auf die Epidemie vorzubereiten als beispielsweise Italien. Zugleich wurde die Zahl der Intensivbetten stark erhöht, schon frühzeitig wurde viel Schutzkleidung bestellt und auch das Personal entsprechend ausgebildet. Das sind wahrscheinlich all die Gründe, weshalb die Fallsterblichkeitsrate in Deutschland geringer ist als in vergleichbaren Ländern.

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